Montag, 23. September 2013

Abschlussanalyse

Das vorläufige amtliche Endergebnis liegt vor. Versagt hat nicht nur die FDP, versagt hat auch das Modell. Das erklärte Ziel, näher am tatsächlichen Wahlergebnis zu liegen, als die Umfragen der Demoskopieinstitute, wurde nicht erreicht. Schlimmer noch, im Mittel liegt bei den Modellwerten sogar die höchste Abweichung zum Wahlergebnis vor. Außerdem wurde der FDP der sichere Bundestagseinzug bescheinigt. An dieser Stelle gibt es nicht viel zu beschönigen, die Prognose ist eindeutig fehlgeschlagen. Dennoch erscheint eine Analyse über die Berechnungsfehler im Modell sinnvoll, denn letztendlich haben nur wenige Feinjustierungen diese katastrophale Abweichung herbeigerufen.

Zunächst einen Überblick über die Abweichungen zwischen Prognosen, Umfragen und Wahlergebnis:

Modellwert (21.09.) Allensbach (20.09.) Emnid (20.09.) Forsa (20.09.) Forschungsgruppe (19.09.) GMS (10.09.) Infratest (12.09.) INSA (19.09.) election.de (20.09.) PESM Wahlbörse (21.09. 0 Uhr)
UNION 3,8% 2,0% 2,5% 1,5% 1,5% 1,5% 1,5% 3,5% 2,6% 4,2%
SPD 0,8% 1,3% 0,3% 0,3% 1,3% 0,7% 2,3% 2,3% 0,6% 0,1%
GRÜNE 2,2% 0,6% 0,6% 1,6% 0,6% 2,6% 1,6% 0,4% 1,6% 2,0%
FDP 2,1% 0,7% 1,2% 0,2% 0,7% 0,2% 0,2% 1,2% 1,7% 1,8%
LINKE 0,8% 0,4% 0,4% 0,4% 0,1% 0,4% 0,6% 0,4% 0,1% 0,3%
PIRATEN 0,1% 0,2% 0,2% 0,8% 0,3% 0,2% 0,3% 0,3%
AFD 0,3% 0,2% 0,7% 0,7% 0,7% 1,7% 2,2% 0,3% 1,2% 0,4%
SONSTIGE 0,0% 0,5% 0,8% 0,0% 0,2% 0,0% 0,0% 0,0% 0,4%
MITTELWERT 1,30% 0,70% 0,90% 0,60% 0,70% 1% 1,10% 1% 1,20% 1,20%

Nur einmal lag das Modell goldrichtig, bei den Sonstigen Parteien nämlich. Jedoch besteht hier ohnehin die geringste Abweichung, lediglich Institute, die die Piratenpartei nicht mehr separat ausgewiesen haben, weichen hier etwas ab. Innerhalb der Toleranz liegen noch die Piraten und die AfD, bei den Piraten liegt im Vergleich sogar die geringste Abweichung vor. Mit 0,8% Abweichung bei SPD und Linkspartei liegt das Modell auch noch im Rahmen. Grüne, FDP und vor allem die Union sind die größten Ausreisser. 

Als am gestrigen Nachmittag die Nachricht von einer gestiegenen Wahlbeteiligung die Runde machte, schien klar: Das Modell wird daneben liegen. Jedoch ist die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2009 nicht so stark gestiegen. Zwar war sie im Modell mit 68,5% nicht korrekt beziffert, aber nicht die ausschlaggebende Fehlerstelle. Trotzdem: Die Wahlbeteiligung errechnete sich aus dem Abstand zwischen Union und SPD, sowie dem von Union/FDP gegenüber SPD und Grünen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Unbeachtet blieb das Verhältnis von Regierung zu Opposition (da aufgrund nicht vorhandener Koalitionsmöglichkeiten so auch kein Kopf-an-Kopf-Rennen besteht) sowie generelle Mobilisierungseffekte. Genau jene hat es aber gegeben, nicht zuletzt hatte die BILD kostenlos zur Stimmabgabe aufgerufen. Auch andere Medienkampagnen fanden keine Berücksichtigung.

Wäre die Wahlbeteiligung korrekt mit 71,5% ausgegeben worden, hätte sich das im Modell wie folgt ausgedrückt:

Union: 37,8%
SPD: 26,1%
FDP: 7%
Grüne: 10,2%
Linke: 9%
Piraten: 2%
AfD: 4%
Sonstige: 4%

Während SPD und Linke damit also in den Toleranzbereich gerückt wären und auch die Grünen näher am Wahlergebnis gelegen hätten, wäre die Union so nur leicht gestiegen und die AfD sogar aus dem Toleranzbereich geflogen. Bei der FDP hätte sich nichts wesentlich verändert.

Die Leihstimmen von Union für die FDP lagen im Modell bei einem Potential von 4,7% - tatsächlich abgerufen hätten 0,94% werden sollen. Dieser Wert hätte gestrichen werden müssen, spätestens, als die Union um jede Zweitstimme geworben hat. Mit seinem Wahlverhalten hat sich der strategische Wähler aus dem bürgerlichen Lager selbst abgeschafft - eine Entwicklung, die schwer vorhersehbar war.

Streicht man diesen Wert, ergeben sich folgende Modellwerte:
Union: 38,7%
SPD: 26,1%
FDP: 6%
Grüne: 10,2%
Linke: 9%
Piraten: 2%
AfD: 4%
Sonstige: 4%

Besser, aber noch nicht nah genug dran.

Mit ausschlaggebend für das Bundestagswahlergebnis und als Indikator falsch herangezogen wurde die Landtagswahl in Bayern. Der CSU-Faktor wurde mit -0,5% minimal von null herabgesetzt.
Ein Wert von -5 (also etwa dem Prozentsatz, den die CSU zugelegt hat) bringt uns entscheidend in die richtige Richtung.

Union: 40,2%
SPD: 25,8%
FDP: 5,5%
Grüne: 9,8%
Linke: 8,9%
Piraten: 1,9%
AfD: 3,7%
Sonstige: 4%

Nun drehen wir den Leihstimmenfaktor einmal um - denn nach dem gestrigen Sonntag dürfte klar sein, dass die Union nicht nur für die FDP mobilisieren, sondern ihr sogar innerhalb des bürgerlichen Lagers Stimmen entziehen kann. Und siehe da, ein gedrehter Leihstimmenfaktor ergibt:

Union: 41,2%
SPD: 25,8%
FDP: 4,6%
Grüne: 9,8%
Linke: 8,9%
Piraten: 1,9%
AfD: 3,7%
Sonstige: 4%

Um Grüne und AfD gerade zu biegen, muss gar nicht viel getan werden. Die Grünen müssen lediglich im Populartrend (Modellwert 0) abgewertet werden. Eine Sache, die angesichts der starken Medienkampagne gegen die Grünen kurz vor der Wahl nur allzu sinnvoll erscheint. Wählen wir hier einen Wert von -2 (dieser liegt dann zwischen Union und FDP) erhalten wir:

Union: 41,2%
SPD: 25,8%
FDP: 4,6%
Grüne: 8,9%
Linke: 8,9%
Piraten: 1,9%
AfD: 4,7%
Sonstige: 4%

Et voila. Alle Werte wären nun im Toleranzbereich gewesen.
Natürlich geht so etwas im Nachhinein besser - jedoch, alle Änderungen erscheinen sinnvoll und hätten tatsächlich das korrekte Ergebnis prognostiziert. Die FDP hätte dann eine Wahrscheinlichkeit von 8,6% auf den Bundestagseinzug bekommen, die AfD 15,4%.

Wahlbeteiligung, Leihstimmen- und CSU-Faktor, sowie eine Abwertung der Grünen im Populartrend. Mehr hätte es nicht gebraucht. Weniger aber auch nicht.

Bei all der Abweichung sei nun abschließend noch erwähnt, was das Modell richtig prognostiziert hat:

Angela Merkel wird Kanzlerin bleiben. Gesicherter Wert am 08.01.2013.
Die Piraten werden nicht in den Bundestag einziehen. Gesicherter Wert am 14.12.2012.
Die LINKE wird in den Bundestag einziehen. Gesicherter Wert am 06.12.2012.
Dass die AfD sicher nicht in den Bundestag einziehen würde, hat sich als falsche Prognose herausgestellt. Wie erwähnt, eine Restwahrscheinlichkeit von 15% hätte bestanden. 

Positiv ist, dass für eine Runderneuerung des Modells nun gut drei Jahre Zeit bleiben. Negativ, dass die FDP dann vermutlich ein unkalkulierbarer Faktor wird. Das erklärte Ziel von BuTa17: Eine Abweichung unter 1% ;)


Samstag, 21. September 2013

Prognosewerte vom 21.09.2013

Prognosewerte vom 21.09.2013



Zweitstimmenanteil:



Zweitstimmenanteile im zeitlichen Verlauf:





Koalitionswahrscheinlichkeiten:


             

CDU/CSU und FDP48,18%
CDU/CSU und SPD51,82%
SPD und Grüne0,00%

Regierungskoalition bei prognostiziertem Wahlausgang: CDU/CSU und SPD


Koalitionswahrscheinlichkeiten im Verlauf:



Wahrscheinlichkeit für einen Parlamentseinzug:

Die Linke100%
FDP100%
Piratenpartei0%
AfD0%


Wahrscheinlichkeit für die Kanzlerschaft:




Angela Merkel100,00%
Peer Steinbrück0,00%

Kanzlermeter im Verlauf:



Modellmomentum:

FDP (+ 1,49%)

Negativmomentum:

SPD(- 1,92%)

Gerade wenn man denkt, man könne Feierabend machen, legt einem der Chef noch einen Stapel Akten auf den Tisch. Auch wenn es sich bei diesem "Chef" nur um drei Demoskopieinstitute handelt und bei den Akten um frische Zahlen, müssen sie natürlich umgehend erfasst und bearbeitet werden. Allensbach schießt zwei Tage nach ihrer letzten Veröffentlichung noch eine neue Umfrage nach und auch Forsa und Emnid liefern die letzten Daten. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob dies nun wirklich der endgültige Wasserstand bleibt.

Die Union legt in den letzten Werten zu. Sie erreicht nun 37,7% (+0,3%).
Auch die SPD kann sich noch einmal verbessern, sie landet jetzt bei 24,9% (+0,2%).
Die FDP verliert weiterhin - jedoch nur leicht, um 0,1% - und erreicht jetzt 6,9%.
Auch die Grünen verlieren 0,1% und kommen nur noch auf 10,6%.
Damit haben die Grünen in der Modellberechnung in den vergangenen vier Wochen ganze 4,4% eingebüßt. Jedoch konnten sich in der selben Zeitspanne die SPD um 3,8% und die Linke um 0,9% verbessern. Weitestgehend fand die Verschiebung also im eigenen Lager statt, was wenig Raum für die These lässt, steuerpolitische Pläne hätten potentielle Wähler verprellt.
Rasant herunter geht es noch einmal für die Piratenpartei. Sie verliert 0,3% und rangiert nun bei 2,1% Die AfD, die plötzlich in aller Munde ist und vor der offenbar jetzt niemand mehr weiß, ob sie den Einzug in den Bundestag schafft oder nicht, landet bei 4,4% (+0,1%). Angesichts der engen Toleranz im Modell kurz vor der Wahl von nur 0,5% reicht es laut Berechnung damit definitiv nicht für den Bundestagseinzug.
Die anderen Parteien bleiben zusammen bei 4%.
Die aktualisierte Übersicht zeigt sich so:

Modellwert (21.09.) Allensbach (20.09.) Emnid (20.09.) Forsa (20.09.) Forschungsgruppe (19.09.) GMS (10.09.) Infratest (12.09.) INSA (19.09.) election.de (20.09.) PESM Wahlbörse (21.09. 0 Uhr)
UNION 37,7% 39,5% 39,0% 40,0% 40,0% 40,0% 40,0% 38,0% 38,9% 37,3%
SPD 24,9% 27,0% 26,0% 26,0% 27,0% 25,0% 28,0% 28,0% 26,3% 25,6%
GRÜNE 10,6% 9,0% 9,0% 10,0% 9,0% 11,0% 10,0% 8,0% 10,0% 10,4%
FDP 6,9% 5,5% 6,0% 5,0% 5,5% 5,0% 5,0% 6,0% 6,5% 6,6%
LINKE 9,4% 9,0% 9,0% 9,0% 8,5% 9,0% 8,0% 9,0% 8,7% 8,9%
PIRATEN 2,1% 2,0% 2,0% 3,0% 2,5% 2,0% 2,5% 2,5%
AFD 4,4% 4,5% 4,0% 4,0% 4,0% 3,0% 2,5% 5,0% 3,5% 5,1%
SONSTIGE 4,0% 3,5% 7,0% 4,0% 6,0% 4,0% 4,0% 4,0% 3,6%


Weiterhin gilt: Sollten bis zehn Uhr am Wahlsonntag keine neuen Daten vorliegen, gilt diese Prognose als endgültig.  

Freitag, 20. September 2013

Prognosewerte vom 20.09.2013

Prognosewerte vom 20.09.2013



Zweitstimmenanteil:




Zweitstimmenanteile im zeitlichen Verlauf:





Koalitionswahrscheinlichkeiten:


             

CDU/CSU und FDP44,05%
CDU/CSU und SPD55,95%
SPD und Grüne0,00%

Regierungskoalition bei prognostiziertem Wahlausgang: CDU/CSU und SPD


Koalitionswahrscheinlichkeiten im Verlauf:




Wahrscheinlichkeit für einen Parlamentseinzug:

Die Linke100%
FDP100%
Piratenpartei0%
AfD0%


Wahrscheinlichkeit für die Kanzlerschaft:




Angela Merkel100,00%
Peer Steinbrück0,00%

Kanzlermeter im Verlauf:



Modellmomentum:

FDP (+ 1,61%)

Negativmomentum:

CDU (- 1,82%)

Zwei Tage vor der Wahl nun die vorläufig endgültigen Prognosewerte. Vorläufig deshalb, weil noch unklar ist, ob nicht doch noch das ein oder andere Institut "last minute polls" veröffentlichen wird. Mit den letzten Erhebungen von INSA und der Forschungsgruppe Wahlen vom gestrigen Donnerstag hat sich die Prognose noch einmal leicht verändert. Die Grünen verlieren weiter, die AfD holt auf. Und wird aller Wahrscheinlichkeit trotzdem scheitern.

Für die Union geht es 0,2% nach unten. Mit nun 37,4% liegt sie 1,82% unter dem gewichteten Umfragedurchschnitt und hält wieder das Negativmomentum. Etwas weniger unter dem Schnitt, 1,8%, liegt die SPD. Sie macht ein halbes Prozent gut und erreicht 24,7%. Insgesamt liegt dieser Wert sowohl unter allen Umfragewerten, als auch unter den Prognosen von election.de und der Wahlbörse PESM (siehe unten).
Die FDP fällt in der Berechnung leicht (-0,1%) und erhält 7,0%. Im Vergleich zu den Instituten und Prognoseseiten ist dies der höchste Wert.
Die Grünen sacken in der Prognose noch einmal deutlich nach unten und verlieren ein ganzes Prozent. Letzter Wert: 10,7%.
Die Linken hingegen holen zum Schluss noch einmal einen Rekordwert. Mit 9,5% (+0,4%) werden sie nur noch von Allensbach bewertet. Forsa misst den Umfragewert derzeit mit 10%, alle anderen sehen sie darunter.
Die Piratenpartei erreicht nur noch 2,4% (-0,2%).
Nach oben geht es hingegen für die AfD. Mit 4,3% (+0,6%) kann sie sich deutlich verbessern. Doch auch innerhalb der Toleranz von +- 0,5% reicht es nicht für einen Einzug in den Bundestag.
Die anderen Parteien landen unverändert bei 4,0%.

Für die Koalitionswahrscheinlichkeiten bedeutet das weiterhin einen hauchdünnen Vorsprung für die Große Koalition. Zwar ist mit 55,95% gar nichts entschieden, jedoch wird die minimale Tendenz zur Großen Koalition auch dadurch begünstigt, dass sie die komplette vergangene Woche über schon über der 50%-Marke lag.

Der abschließende Vergleich zwischen Modell, Demoskopieinstituten und Prognoseseiten (bzw. -Märkten) sieht wie folgt aus.
Modellwert (20.09.) Allensbach (18.09.) Emnid (15.09.) Forsa (17.09.) Forschungsgruppe (19.09.) GMS (10.09.) Infratest (12.09.) INSA (19.09.) election.de (20.09.) PESM Wahlbörse (20.09. 12 Uhr)
UNION 37,4% 39,0% 39,0% 39,0% 40,0% 40,0% 40,0% 38,0% 38,9% 37,1%
SPD 24,7% 26,0% 26,0% 25,0% 27,0% 25,0% 28,0% 28,0% 26,3% 25,4%
GRÜNE 10,7% 11,0% 10,0% 9,0% 9,0% 11,0% 10,0% 8,0% 10,0% 10,5%
FDP 7,0% 6,0% 5,0% 5,0% 5,5% 5,0% 5,0% 6,0% 6,5% 6,7%
LINKE 9,5% 9,0% 9,0% 10,0% 8,5% 9,0% 8,0% 9,0% 8,7% 9,0%
PIRATEN 2,4% 2,0% 3,0% 3,0% - 3,0% 2,5% 2,0% 2,5% 2,7%
AFD 4,3% 3,5% 4,0% 3,0% 4,0% 3,0% 2,5% 5,0% 3,5% 5,0%
SONSTIGE 4,0% 3,5% 4,0% 6,0% 6,0% 4,0% 4,0% 4,0% - 3,6%

Die prognostizierte Wahlbeteiligung liegt bei 68,5% - also abzüglich einer Toleranz von +-1% zwischen 67,5% und 69,5%.

Sollten bis zehn Uhr am Wahlsonntag keine neuen Daten vorliegen, gilt diese Prognose als endgültig.  

Dienstag, 17. September 2013

Prognosewerte vom 17.09.2013


Prognosewerte vom 17.09.2013



Zweitstimmenanteil:



Zweitstimmenanteile im zeitlichen Verlauf:





Koalitionswahrscheinlichkeiten:


             

CDU/CSU und FDP48,07%
CDU/CSU und SPD51,93%
SPD und Grüne0,00%

Regierungskoalition bei prognostiziertem Wahlausgang: CDU/CSU und SPD


Koalitionswahrscheinlichkeiten im Verlauf:




Wahrscheinlichkeit für einen Parlamentseinzug:

Die Linke100%
FDP100%
Piratenpartei0%
AfD0%


Wahrscheinlichkeit für die Kanzlerschaft:




Angela Merkel100,00%
Peer Steinbrück0,00%

Kanzlermeter im Verlauf:



Modellmomentum:

FDP (+ 1,86%)

Negativmomentum:

SPD (- 1,88%)

Neue Daten braucht das Land. Während in den Medien ein Streit darüber tobt, ob der Bruch mit der Selbstverpflichtung zur Nichtveröffentlichung von Umfragedaten kurz vor der Wahl seitens des ZDF die Wähler manipuliert oder sie informiert, kann man sich an dieser Stelle über die Entscheidung nur freuen. Schließlich basiert dieses Prognosemodell auf Umfragewerten - und ihre Aktualität ist dabei unerlässlich.

Aus diesem Grund wurden nun, unmittelbar vor der Wahl, Umfragedaten, deren Erhebung und Veröffentlichung bereits einige Zeit zurück liegen (konkret zunächst die von Allensbach und GMS) entsprechend ihres Alters heruntergewichtet. Trotz dieser Neuerung und der Landtagswahl in Bayern hat sich an den Modellwerten jedoch nicht viel verändert.

Hauptsächlich liegt das daran, dass in der Modellberechnung ohnehin von einer absoluten Mehrheit der CSU in Bayern ausgegangen wurde. Aufgrund des aber leicht über den Erwartungen liegenden Ergebnisses wurde der "CSU-Faktor" von null auf einen leicht negativen Wert gesetzt. Er beschert der Union also nun ein kleines Plus. Gleichzeitig wurde aber von INSA/YouGov eine neue Umfrage veröffentlicht, die diesen Zugewinn wieder zu nichte macht. Für den Wert der FDP im Modell spielt die Bayernwahl kaum eine Rolle.
Die Union verliert im Modell sogar leicht (-0,1%) und kommt nun auf 37,6%. Die SPD legt diese 0,1% zu und kommt auf 24,2%. Also nur eine minimale Verschiebung bei den großen Volksparteien.

Die FDP rangiert ebenfalls nur 0,1% schlechter im Modell als noch vor zwei Tagen. Mit 7,1% bliebe sie klar im Bundestag - und ggf. sogar auf der Regierungsbank. Die Bayernwahl, in der die FDP deutlich verlor, sollte eben als jener Weckruf fungieren, mit dem das Modell lange kalkuliert. Basis für diese Prognose ist folgendes: Ungeachtet einer existierenden Zweitstimmenkampagne wählt das bürgerliche Lager stets taktischer als Anhänger der derzeitigen Opposition. Je mehr die FDP bislang - zumindest medial - in ihrer Existenz bedroht war, desto effektiver wurde taktisch gewählt. Daran verändert auch die klare Absage der Union an eine Zweitstimmenkampagne nur wenig. Zudem wissen die taktischen Wähler aus dem bürgerlichen Lager genau, wie wahrscheinlich Direktmandate in ihrem Wahlkreis sind und wie viel Gewichtung ihre Zweitstimme somit hat. Außerdem: Einer Erhebung von Infratest dimap zufolge schätzen 12% der Unionsanhänger eine Große Koalition als negativ ein. Sollten nur 20% von diesen Wählern daher taktisch ihre Zweitstimme an die FDP abgeben, macht dies rund 1% aus, der von potentiellen Unionswählern an die FDP geht. Etwa diesen Wert errechnete das Modell konstant als tatsächlich abgerufenes Leihstimmenpotential.

Die Grünen verlieren nun doch weiter. Sie erreichen nur noch 11,7% (-0,3%). Der deutliche Abfall, der nur auf den zugrunde liegenden Umfragedaten basiert, ist gerade angesichts früher Modellberechnungen kaum erklärbar. Bis vor wenigen Tagen galten die Grünen als der designierte Wahlsieger schlechthin, einfach weil sie es vermieden Wahlkampf zu betreiben, sich in Zurückhaltung übten, und jene im rot-grünen Lager anzogen, die sich mit Steinbrück nicht wirklich anfreunden konnten. Steuererhöhungspläne, Verbotspolitik und Veggie Day, wie es Regierungspolitiker, Journalisten und Demoskopen dieser Tage zu deuten vermögen, erscheinen kaum als Grundlage für den Zustimmungsrückgang ausreichend. Vielmehr gewann die SPD in der jüngsten Vergangenheit nach dem Kanzlerduell potentiell einige Stimmen aus dem eigenen Lager zurück. Einen Teil verloren die Grünen auch an die Linken.

Diese können zwar ihren Spitzenwert von 9,2% nicht mehr halten, büßen aber mit 0,1% auf nun 9,1% auch nur leicht ein.

Auch die Piratenpartei verliert die ominösen 0,1% und liegt nun bei 2,6%.

Gewinner der letzten zwei Tage, weil zunehmend Umfragesieger, ist die AfD. Sie liegt jetzt bei 3,7% (+0,5%). Für einen Parlamentseinzug reicht es so dennoch nicht.
Demoskopen haben mit der "Alternative für Deutschland" so ihre Probleme. Auch dies sei hier in den Grundzügen erklärt. Einerseits schwankt die Partei in den Umfragen sehr deutlich, andererseits wird zudem vermutet, dass viele Wähler die Wahlabsicht AfD bei Umfragen schlicht nicht äußern oder sich gar nicht befragen lassen. Von daher ist es nicht nur für Demoskopen, sondern auch für die Modellbewertung, unheimlich schwierig die AfD korrekt einschätzen zu können. Dies liegt insbesondere daran, dass ziemlich unklar ist, inwiefern die Demoskopen im Falle der AfD ihre Umfragendaten aufgrund der eben genannten Faktoren "frisieren". Dass es getan wird, ist aber naheliegend. Gleichzeitig, und auch das dürfte Demoskopen verunsichern, erfreut sich die AfD im Internet einer relativ großen Beliebtheit. Steigende Umfragewerte für die AfD sind zunächst vor dem Hintergrund zu deuten, dass kein Umfrageinstitut diese maßgeblich unterschätzen will, gerade, wenn die AfD überraschend in den Bundestag einziehen würde. Doch daraus ergeben sich eben gerade die Gründe, warum sie es nicht tun wird. Messbar für die Demoskopieinstitute ist seit eh und je ein hohes rechtspopulistisches Potential in Deutschland. 20% der Deutschen würden eine Sarrazin-Partei wählen - mindestens so viele sehen sich als eurospektisch. Gleichwohl würden eben diese 20% aber auch eine Horst-Schlemmer-Partei wählen. Sie würden, wenn, ja, wenn Sonntag Bundestagswahl wäre. Sonntag ist Bundestagswahl. Und - um es in der Fußballsprache auszudrücken - was zählt ist "Auf dem Platz". Dort wird dieses latent vorhandene Potential nämlich nicht abgerufen. Am Ende zählt in der Wahlkabine eben doch der Wahlslogan von 1957: "Keine Experimente". Zumindest für ein Groß der Wähler aus dem bürgerlichen Lager, gerade diese, die Angela Merkel nicht zuletzt wegen ihrer Euro-Politik als Kanzlerin halten wollen.

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht erstaunlich, wenn die Forschungsgruppe Wahlen am Donnerstag mit ihren letzten Werten die AfD bei 5% sähe, FDP nur auf 4% käme und die Union mit 38% rangiert. Nur ein SPD-Wert von 30% könnte größere Mobilisierung hervorrufen. Wenn dann alles anders kommt, wird über diese Umfrage weiter gestritten werden. In jedem Fall fließt sie in diese Berechnung mit ein.

Die Sonstigen Parteien erhalten übrigens 4,0% (+0,1%).

Neue Zahlen folgen in den kommenden Tagen.


Sonntag, 15. September 2013

Prognosewerte vom 15.09.2013


Prognosewerte vom 15.09.2013



Zweitstimmenanteil:





Zweitstimmenanteile im zeitlichen Verlauf:





Koalitionswahrscheinlichkeiten:


             

CDU/CSU und FDP46,49%
CDU/CSU und SPD53,51%
SPD und Grüne0,00%

Regierungskoalition bei prognostiziertem Wahlausgang: CDU/CSU und SPD (!)


Koalitionswahrscheinlichkeiten im Verlauf:




Wahrscheinlichkeit für einen Parlamentseinzug:

Die Linke100%
FDP100%
Piratenpartei0%
AfD0%


Wahrscheinlichkeit für die Kanzlerschaft:




Angela Merkel100,00%
Peer Steinbrück0,00%

Kanzlermeter im Verlauf:




Modellmomentum:

FDP (+ 1,92%)

Negativmomentum:

CDU (- 1,98%)

Heute ist es endlich so weit, es darf wieder gewählt werden. Sicher, die Bundestagswahl, um die sich an dieser Stelle alles dreht, findet erst nächste Woche statt. Die Landtagswahl in Bayern könnte allerdings auch noch Einfluss auf die Wahl im Bund nehmen. Das Modell kalkuliert derzeit mit einer absoluten Mehrheit der CSU. Und dennoch könnte die aktuelle Wasserstandsmeldung der Union nicht schmecken.

Es hat gleich zwei, nicht gerade unwichtige, Änderungen in der Modellberechnung gegeben. Zum einen besteht die prognostizierte Regierungskoalition nicht mehr aus CDU und FDP. Rot-Rot-Grün hat zum ersten Mal seit zwei Monaten eine (absolut hauchdünne!) Mehrheit. Doch angesichts der Wahrscheinlichkeiten von 53,51% (Große Koalition) zu 46,49% (Schwarz-gelbe Koalition) dürfte klar sein, dass in dieser Frage nichts entschieden ist. Und genau diesen Fall, ein offenes Rennen um die nächste Regierungskoalition, gab es während der Berechnungsphase schon öfter. Zwar sah Schwarz-Gelb bereits dreimal wie der sichere Sieger aus, wurde aber immer wieder zurückgeworfen. Eines noch vorneweg: An der FDP liegt dieser Wert nicht.

Denn das zweite große Novum in der aktuellen Prognose betrifft das Modellmomentum, also die Differenz zwischen Modellberechnung und gewichteten Umfragewerten. Seit eh und je bildete hier die SPD das Schlusslicht,  blieb teils deutlich unter den ohnehin schlechten Umfragewerten zurück. Heute ist das anders. Den schlechtesten Modellmomentumwert hat aktuell die Union. Sie liegt 1,98% unter ihrem Umfrageschnitt - die SPD nur 1,92%. Abzüglich der Toleranz also auch hier ein Patt.

Kommen wir damit zu den aktuellen Zweitstimmenanteilen. 

Für CDU und CSU geht es weiter abwärts. Die Union verliert 0,7% gegenüber dem Mittwoch und rangiert nur noch bei 37,7%. Zur Erinnerung: Bei der Bayernwahl mit der absoluten Mehrheit der CSU kalkuliert, ein schlechteres Abschneiden der Christsozialen würde den Wert also drücken, gesteigert werden kann er durch die heutige Landtagswahl nicht mehr.

Die SPD hingegen punktet auf ganzer Linie. Ob Wahlarena, Stinkefinger oder Erpressungsversuch: Peer Steinbrück gehören dieser Tage die Schlagzeilen von Print, Online und Fernsehen. Er tut, was er am besten kann und polarisiert. Der Endspurt gehört den Sozialdemokraten, sie haben derzeit ganz klar das Momentum (nicht zu verwechseln mit dem Modellmomentum). Nicht verwunderlich daher, dass die SPD nochmal um eben jene 0,7% zulegen kann, die die Union eingebüßt hat. 24,1% - noch klar hinter den Umfragen, aber trotzdem der beste Modellwert seit dem Absturz Anfang Januar. 

Auch wenn die Union keine explizite Zweitstimmenkampagne fährt: Brenzlig wird es für die FDP keineswegs. Sie verliert zwar nochmal 0,1% (nun 7,2%) wird aber problemlos in den Bundestag einziehen. Nur die Regierungsbank wird es eben möglicherweise nicht werden.

Der Abwärtstrend der Grünen scheint gestoppt. Auch bei ihnen geht es in der aktuellen Berechnung zwar noch einmal 0,1% nach unten, mit exakt 12% stehen sie aber trotzdem noch besser da, als die Demoskopen sie derzeit sehen. Und sie hätten das Wahlergebnis von 2009 erneut gesteigert. Von der Regierungsbank träumt hier aber wohl schon lange niemand mehr.

Bei den Linken bräuchte es dafür wohl ein Vielfaches von den momentanen 9,2% (+0,1%). Zwar liegt die Partei noch weit unter dem Wert von 2009, aber hat kurz vor Ende immerhin den Rekordwert ihrer Modellberechnung inne. Das kann keine der anderen Parteien von sich behaupten.

Die Piratenpartei kommt auf 2,7% (+0,2%). Spannend wird hier nur, wie es mit der Partei nach der Bundestagswahl weitergeht. Und ob.

Ähnliches gilt gleichwohl stärker für die AfD. Von manchem Beobachter noch als möglicher Überraschungskandidat für den Parlamentseinzug gehandelt, sind die erreichten 3,2% (-0,1%) im Modell dafür eindeutig zu wenig. Selbst im besten Toleranzfall ergibt sich nur ein Wert von maximal 3,7%. Viel zu deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Sonstigen Parteien kehren zurück auf ihren "Dauerwert" von 3,9% (-0,1%). 

Die prognostizierte Wahlbeteiligung zieht weiter leicht an und liegt jetzt bei 68,3%.

Der Vollständigkeit halber: Die Wahrscheinlichkeit auf eine Kanzlerschaft Angela Merkels nach der Wahl liegt auch weiterhin bei schlappen 100%.

Mittwoch, 11. September 2013

Prognosewerte vom 11.09.2013


Prognosewerte vom 11.09.2013



Zweitstimmenanteil:




Zweitstimmenanteile im zeitlichen Verlauf:






Koalitionswahrscheinlichkeiten:


             

CDU/CSU und FDP67,17%
CDU/CSU und SPD32,83%
SPD und Grüne0,00%

Regierungskoalition bei prognostiziertem Wahlausgang: CDU/CSU und FDP


Koalitionswahrscheinlichkeiten im Verlauf:





Wahrscheinlichkeit für einen Parlamentseinzug:

Die Linke100%
FDP100%
Piratenpartei0%
AfD0%


Wahrscheinlichkeit für die Kanzlerschaft:




Angela Merkel100,00%
Peer Steinbrück0,00%

Kanzlermeter im Verlauf:




Modellmomentum:

FDP (+ 2,01%)

Negativmomentum:

SPD (- 2,46%)

Die heiße Phase vor der Bundestagswahl 2013 hat begonnen. Kein Wunder also, dass wir nun in immer kürzeren Abständen neue Umfragen präsentiert bekommen, die eine zunehmend spannende Wahl versprechen. So kurz vor der Wahl möchte kein Demoskopieinstitut meilenweit daneben liegen, außerdem benötigen die Auftraggeber aus Print und Fernsehen dieser Tage neuen Stoff zur Berichterstattung.
Tatsächlich hat eine leichte Verschiebung stattgefunden, die auch im Modell Gewichtung findet. Große Veränderungen in der politischen Stimmung gab es jedoch nicht.

Die Union büßt 0,3% ein und liegt nun bei 38,4%. Die Institute, besser gesagt, der gewichtete Umfragedurchschnitt sieht sie derzeit noch bei 40%.
Die SPD kann in den Umfragen leicht zulegen und auch die Kanzlerpräferenz zugunsten von Peer Steinbrück steigt bei infratest dimap, der Forschungsgruppe Wahlen und Forsa ein wenig aber bemerkbar. Daher gelingt es der Partei 2,1% zuzulegen. Die SPD erreicht nun 23,4%. Die getroffene Prognose, die SPD würde unter ihrem Wahlergebnis von 2009 zurückbleiben, ist somit nicht mehr haltbar. Dennoch: Das Modell beziffert die Sozialdemokraten immer noch 2,46% unter dem Umfragedurchschnitt der Institute. Nur durch noch drastischere Verschiebungen in der Kanzlerpräferenz oder eine reelle Chance von Rot-Grün auf den Wahlsieg (und respektive eine höhere Wahlbeteiligung) wäre diese Differenz ausgleichbar. Beides ist im Endspurt nicht zu erwarten.
Für die FDP geht es in dieser Woche um ein halbes Prozent nach unten. Sie liegt jetzt bei 7,3% und bleibt damit gesichert im Bundestag. Mit 2,01% über dem gewichteten Umfragedurchschnitt hält sie damit das Modellmomentum.
Die Grünen sind nicht nur in den Umfragen in den vergangenen Tagen und Wochen drastisch nach unten gegangen. Auch im Modell verlieren sie erneut. Sie kommen nur noch auf 12,1% (-1,6%), ihren mit Abstand schlechtesten Modellwert bisher. Hier verhält es sich ähnlich wie bei der SPD, jedoch umgekehrt: Die Grünen erreichen im gewichteten Umfrageschnitt nur 10,64%, werden vom Modell also immer noch deutlich besser bewertet. Damit wird auch deutlich, dass ein Großteil der Verschiebungen innerhalb des Rot-Grünen-Lagers zugunsten der SPD stattgefunden hat. Das Modell reagiert auf diesen Umstand jedoch weniger stark und sieht die Grünen weiterhin im relativen Vorteil.
Die LINKE erreicht einen neuen Rekordwert mit 9,1% (+0,3%). Sie liegt damit rund 0,6% über dem gewichteten Umfrageschnitt.
Absolute Stagnation dafür bei der Piratenpartei. Mit 2,5% bleiben sie Schlußlicht in der Berechnung.
Die AfD schwankt weiter, gewinnt aber nur 0,1% hinzu und erreicht jetzt 3,3%.
Die sonstigen Parteien kommen zusammen auf 4% (+0,1%).
Die Wahlbeteiligung scheint durch die Bewegung in den Umfragen ihren Tiefstpunkt passiert zu haben. Die Prognose sieht sie nun steigend, derzeit bei rund 68%. Immer noch deutlich weniger als 2009.

In den verbleibenden anderthalb Wochen vor der Wahl werden Updates dieses Blogs jetzt nahezu täglich erscheinen.