Arbeitslosigkeit hat einen hohen Einfluss auf das Wahlverhalten. Das fängt bereits bei der Wahlbeteiligung an. Mit steigendem Einkommen steigt auch die Wahlbereitschaft, Arbeitslose wählen daher seltener. Wenn sie aber wählen, unterstützen sie in der Tendenz eher die Opposition. Insbesondere in Ostdeutschland, aber auch im Westen, erhält die Partei Die Linke von der Gruppe der Arbeitslosen unabhängig von der jeweiligen Regierung den größten Zuspruch.
Nicht nur die von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen selbst sind ein wichtiger Wahlfaktor. Die Arbeitslosenquote gibt, wenn auch nur bedingt, zusätzlich noch Aufschluss über die wirtschaftliche Gesamtsituation eines Landes. Für eine vollständige Einschätzung sind noch weitere Faktoren relevant, die größtenteils im großen Prädiktor Eurokrise einfließen. Keine dezidierte Berücksichtung im Modell finden beispielsweise die Anzahl an Aufstockern oder das Arbeits- und Lohnniveau, da es schwer fällt, hieraus eine Prognoseableitung zu formulieren. Teilweise spiegelt sich aber auch die Lage des Arbeitsmarktes in der Bewertung des Populartrendes oder in den Kompetenzwerten der einzelnen Parteien wider.
Wie stark genau sich die Arbeitslosenquote auf die Wahl auswirken wird, ist nie genau abzusehen, da sich der Einflussgrad von Wahl zu Wahl unterscheidet. Es ist aber davon auszugehen, dass signifikante Veränderungen am Arbeitsmarkt die Wahl beeinflussen. Gerade weil starke Effekte sich aber auch mit Werten im Prädiktor Eurokrise überschneiden, wurde die Arbeitslosigkeit als Einflussgröße im Modell relativ schwach gewichtet. In der Tendenz aber gilt: Steigt die Arbeitslosigkeit an, so profitiert davon die Opposition. Die Partei Die Linke wäre größter Profiteur, jedoch weniger stark als noch 2009, da Menschen, die jüngst arbeitslos geworden sind oder noch arbeitslos werden, durchaus aufgrund der nicht vorhandenen Regierungsbeteiligung wieder mehr zur SPD tendieren könnten. Eine sinkende Arbeitslosenquote stützt hingegen die amtierende Regierungskoalition, allerdings nicht in dem Umfang, in dem ihr steigende Arbeitslosigkeit schaden würde.
Das Modell berücksichtigt damit sowohl die Belohnungs-Bestrafungs-Hypothese, als auch die Parteiendifferenzhypothese, wenngleich letztere weniger Gewicht findet und das Profitpotential der Linken bei steigender Arbeitslosigkeit eher in der jüngeren Empirie bewiesen wurde. Großen Einfluss auf die Modellwerte nimmt die Arbeitslosigkeit aber nur dann, wenn die Veränderungen am Arbeitsmarkt deutlich spürbar sind. Ein leichter Rückgang bzw. ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit wirkt sich auf die Ergebnisberechnung nur minimal aus.
Vollbeschäftigung im nächsten Monat allein würde eine Fortführung der schwarz-gelben Koalition zwar sehr wahrscheinlich machen, sie aber nicht garantieren. Bei einer Verdopplung der Arbeitslosenzahlen würde es auch nicht für Rot-Grün reichen, allerdings nur wegen der dann erstarkten Linken. Derartige Ausschläge hätten aber auch unmittelbare Einflüsse auf die anderen Prädiktoren, so dass es unter Einbeziehung dieser vermutlich doch für eine klare Mehrheit der jeweiligen Koalition ausreichen würde. Beide Szenarien sind allerdings mehr als unwahrscheinlich.
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