Donnerstag, 29. November 2012

Prädiktoren Landtagswahlen in Niedersachsen und Bayern

Die anstehende Wahl im Januar 2013 in Niedersachsen ist die letzte Landtagswahl bis zum September. Kurz vor der Bundestagswahl - oder im Falle von Neuwahlen auch deutlich früher - folgt nur noch Bayern. Damit geht es zum Jahresanfang nicht nur um die künftige Landesregierung in Hannover, sondern um die Initialzündung für den anstehenden Bundeswahlkampf. Es ist davon auszugehen, dass das Abschneiden in Niedersachsen zumindest mittelfristig Auswirkungen auf den Bund hat. Dem Wahlsieger gehört das Rampenlicht, der Verlierer muss einen Abwärtstrend befürchten. Das gilt im Prinzip für alle Parteien. Für die, mit Option auf eine Regierungsbeteiligung besonders, aber auch für die kleineren Parteien kann die Wahl in Niedersachsen mitentscheidend sein. 

Für das Modell spielt es weniger eine Rolle, wer in Hannover künftig die Regierung stellen wird. In der Auswirkung interessanter ist, ob die Parteien ihren jeweiligen Erwartungshorizont über- oder unterschreiten. So wurde für jede Partei ein Soll-Ergebnis in Niedersachsen formuliert. Dieses orientiert sich an jüngeren Umfragewerten und dem Abschneiden bei der Landtagswahl 2008. Liegt eine Partei am Wahltag über diesem Wert, so wird das als positiv gewertet und hat je nach Partei und Überschreitung einen individuellen Effekt auf die weitere Prognose. Die CDU kann beispielsweise ihren Regierungsanspruch verlieren, mit einem Ergebnis oberhalb des Erwartungswertes aber dennoch profitieren. Gleiches gilt, wenn SPD und Grüne trotz guter Ergebnisse die Wahl verlieren würden. Für die Linke ist entscheidend, ob sie in den niedersächsischen Landtag einzieht. Die Erwartungswerte von FDP und Piraten liegen unterhalb der Fünfprozentmarke. Sollte eine von ihnen überraschend in den Landtag einziehen, wird dies also als durchaus positives Signal für den Bundestrend gewertet. 

Damit die Verschiebungen in der Prognose nach der Niedersachsenwahl nicht allzu stark ausfallen, wird bereits jetzt mit dem “Niedersachsenfaktor” gerechnet. Grundlage bilden hier jeweils die aktuellen Umfragewerte (Quelle: Infratest dimap für den Norddeutschen Rundfunk). Eine zusätzliche Bewertung findet nicht statt. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Umfragewerte von dem tatsächlichen Wahlergebnis abweichen, dennoch erschien diese Vorgehensweise sinnvoll, um sich in der Prognose realistisch und frühzeitig dem Wahlergebnis der Bundestagswahl 2013 anzunähern.

Die Einrechnung der Landtagswahl in Bayern ist weniger komplex. Weil sie der Voraussicht nach zeitnah zur Bundestagswahl stattfinden wird, ist ihr Einfluss auf den Wahlkampf als begrenzt einzuschätzen. Im Modell wirkt daher nur ein “CSU-Faktor”, der sich an dem jeweiligen Umfragestand der CSU, sowie partei- und koalitionsinterner Stimmung orientiert. Je höher dieser Wert ist, desto größer ist auch der vermutete Negativeffekt auf das Bundestagswahlergebnis der Union, mit unterschiedlich gestreutem Positiveffekt für die anderen Parteien. Allerdings: Hält die CSU ihren Umfragewert, bahnen sich keine vorgezogenen Neuwahlen in Bayern an oder gewinnt die CSU diese, dann liegt dieser Faktor bei 0. Ein negativer Wert, demnach also ein zusätzliches Profitpotential für die Union, ist für die Bayernwahl nicht vorgesehen. Dies ergibt sich aus den traditionsgemäß hohen Erwartungen an die Wahlergebnisse der CSU und weil der Freistaat stets ein Land mit “eigenen Regeln” war, dessen Landtagswahlen deshalb kaum geeignet erscheinen, um daraus verlässlich einen Bundestrend abzuleiten. Derzeit liegt der “CSU-Faktor” trotz des anhaltenden Koalitionsstreits zwischen CSU und FDP unter dem möglichen Szenario von vorgezogenen Neuwahlen wegen der guten Umfragewerte der Christsozialen bei nur 0,25 und drückt so das erwartete Wahlergebnis für die Union im Bund gerade mal um 0,08%. Zum Vergleich: bliebe die Union in Niedersachsen vier Prozent hinter ihrem Umfragewert zurück - was einer Wahlschlappe gleich käme - verlöre sie in der Modellberechnung ein ganzes Prozent.

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